TMSnat · Aufgabengruppe

TMSnat Grundverständnis: Texte auswerten und üben

Kurze Texte beschreiben einen Vorgang im Körper; die Fragen prüfen, was daraus folgt. Fachwissen wird nach den bisherigen TMS-Aufgaben nicht vorausgesetzt, alles Nötige steht im Text. Geübt wird, Wirkungsketten und Regelkreise zu verfolgen und nur zu schließen, was der Text trägt.

Aufgaben
20
Zeit
50 Minuten
Herkunft
aus dem TMS

Aufgabenzahl, Zeit und Herkunft nach dem Planungsstand der Testveranstalter vom 26. Juni 2026. Im Trainer ist diese Aufgabengruppe ausgebaut.

Wirkungsketten aus einem Sachtext ableiten

Ein Sachtext beschreibt eine Kette aus Ursache und Wirkung; wer die Glieder in der richtigen Reihenfolge notiert, kann jede Störung durchspielen.

Aufgaben dieser Art bringen alles mit, was du wissen musst: Der Text beschreibt einen Ablauf im Körper, etwa den Weg einer Erregung vom Rezeptor über das Rückenmark zum Muskel oder eine Folge von Hormonen und Enzymen. Gefragt ist, was passiert, wenn ein Glied ausfällt oder verstärkt wird.

Bewährt hat sich eine kleine Skizze mit Pfeilen: A → B → C. Fällt B aus, entfällt alles, was nach B kommt; was vor B liegt, läuft weiter. Ein Reflex über das Rückenmark funktioniert deshalb auch dann, wenn die Leitung zum Gehirn unterbrochen ist, nur die bewusste Wahrnehmung fehlt.

Achte auf Verzweigungen: Wenn ein Glied zwei Wirkungen hat (Angiotensin II verengt Gefäße und regt die Aldosteronausschüttung an), fallen bei seiner Hemmung beide weg. Und prüfe jede Antwort nur gegen den Text, nicht gegen Vorwissen.

Beispiel

Ein Enzym wandelt Stoff A in Stoff B um, B löst die Freisetzung von C aus. Das Enzym wird gehemmt. Was ist zu erwarten?

Lösung: Es entsteht weniger B und deshalb auch weniger C; A sammelt sich eher an, weil es nicht mehr umgewandelt wird.

Typische Fehler

  • Annehmen, dass ein Glied vor der Störung ebenfalls ausfällt.Besser: Nur die Glieder nach dem Ausfall sind betroffen.
  • Eine von zwei Wirkungen eines Glieds übersehen.Besser: Alle Pfeile, die von einem Glied ausgehen, mitdenken.

Merksatz: Erst die Kette skizzieren, dann am Ausfallpunkt durchschneiden: Alles danach fehlt, alles davor läuft weiter.

Regelkreise mit negativer Rückkopplung

Ein Regelkreis hält eine Größe konstant, indem eine Abweichung eine Gegenreaktion auslöst, die die Abweichung wieder verkleinert.

Viele Körpergrößen werden geregelt: Blutzucker, Calcium, Osmolarität, Kohlendioxid, Schilddrüsenhormone. Das Muster ist immer gleich: Ein Messfühler erkennt eine Abweichung, ein Steuerglied gibt ein Signal (oft ein Hormon), und die Wirkung bringt die Größe zurück. Das nennt man negative Rückkopplung.

Bei Hormonachsen hemmt das Endprodukt die übergeordneten Hormone. Bei der Schilddrüse etwa regt TSH die Bildung von T3 und T4 an, hohe T3/T4-Spiegel hemmen wiederum TSH. Wer von außen T3/T4 zuführt, senkt deshalb TSH; fehlt T3/T4, steigt TSH.

Für Aufgaben hilft eine Tabelle mit drei Spalten: Was ist gestört? In welche Richtung? Was tut der Regelkreis dagegen? So erkennst du, welches Hormon steigt und welches fällt.

Beispiel

Nach einer kohlenhydratreichen Mahlzeit steigt der Blutzucker. Welches der beiden Hormone Insulin und Glukagon wird vermehrt ausgeschüttet?

Lösung: Insulin, denn es senkt den Blutzucker und gleicht die Abweichung aus; Glukagon würde ihn weiter erhöhen.

Typische Fehler

  • Annehmen, dass ein zugeführtes Hormon die übergeordneten Hormone ebenfalls erhöht.Besser: Das Endprodukt hemmt die übergeordnete Ebene (negative Rückkopplung).
  • Die beiden Gegenspieler vertauschen.Besser: Je Gegenspieler notieren, ob er die Größe hebt oder senkt.

Merksatz: Abweichung erkennen, Gegenreaktion zuordnen: Der Regelkreis arbeitet immer gegen die Störung.

Aussagen einzeln prüfen und kombinieren

Bei Aufgaben mit den Aussagen I, II und III prüft man jede Aussage für sich am Text und wählt dann die Antwort, die genau die zutreffenden enthält.

Viele Aufgaben dieser Gruppe nennen drei Aussagen und fünf Kombinationen wie „nur I“, „nur II und III“ oder „I, II und III“. Am sichersten ist es, jede Aussage einzeln mit „folgt aus dem Text“ oder „folgt nicht“ zu markieren und erst danach die Kombination zu suchen.

Folgt nicht heißt nicht unbedingt falsch: Eine Aussage kann fachlich stimmen und trotzdem nicht aus dem Text ableitbar sein. Gewertet wird nur, was der Text hergibt. Umgekehrt ist eine Aussage ableitbar, wenn sie sich durch eine Folgerung ergibt, auch wenn sie nicht wörtlich dasteht.

Ausschlussverfahren spart Zeit: Ist Aussage I sicher falsch, fallen alle Kombinationen mit I weg. Bleiben zwei Antworten, entscheidet die Aussage, in der sie sich unterscheiden.

Beispiel

Ein Text sagt, bei Zweitkontakt mit einem Erreger sei die Immunantwort schneller. Aussage: „Der Zweitkontakt verläuft immer ohne Krankheitszeichen.“ Ableitbar?

Lösung: Nein. Schneller und stärker heißt nicht, dass Krankheitszeichen ausbleiben; das steht nicht im Text.

Typische Fehler

  • Eine fachlich plausible Aussage als ableitbar werten.Besser: Nur zählen lassen, was aus dem Text folgt.
  • Aus „schneller und stärker“ schließen, dass keine Erkrankung möglich ist.Besser: Aussagen nicht stärker machen, als der Text sie macht.

Merksatz: Jede Aussage einzeln markieren, dann kombinieren; „stimmt vielleicht“ ist nicht „folgt aus dem Text“.

Befunde einem Mechanismus zuordnen

Ein Befund wie ein erhöhter Laborwert oder eine Blutungsneigung lässt sich zuordnen, wenn man ihn an der richtigen Stelle der im Text beschriebenen Kette verortet.

In diesen Aufgaben steht zuerst ein Mechanismus, dann ein Befund: Ein Patient blutet länger, ein Hormon ist erhöht, ein Medikament wirkt. Gefragt ist, welche Ursache passt oder was eine Behandlung bewirkt.

Vorgehen: Den Mechanismus als Kette oder Regelkreis skizzieren, dann für jede angebotene Ursache prüfen, ob sie genau diesen Befund erzeugt. Fehlt ein Gerinnungsfaktor, dauert die Gerinnung länger, die Blutplättchen sind aber nicht betroffen. Fehlt Iod, sinken T3 und T4, und weil die Hemmung fehlt, steigt TSH.

Bei Behandlungen gilt dasselbe in umgekehrter Richtung: Was fehlt, wird ersetzt (Insulin bei Typ-1-Diabetes, ein Gerinnungsfaktor bei Hämophilie), und der Befund bessert sich an genau dieser Stelle.

Beispiel

Laut Text hemmt Schilddrüsenhormon die TSH-Ausschüttung. Ein Patient hat zu wenig Schilddrüsenhormon. Wie verhält sich TSH?

Lösung: TSH steigt, weil die Hemmung durch das Schilddrüsenhormon schwächer ist.

Typische Fehler

  • Erhöhtes TSH als Ursache statt als Folge deuten.Besser: Fehlende Rückkopplung lässt das übergeordnete Hormon steigen.
  • Jede Blutungsneigung auf Blutplättchen zurückführen.Besser: Prüfen, ob die Gerinnungskaskade oder die Plättchen betroffen sind.

Merksatz: Befund in die Kette einordnen: Wo fehlt etwas, was folgt daraus, was ersetzt die Behandlung?

Übungsaufgaben mit Lösung

Eigene Aufgaben aus dem Fragenbestand des Trainers, keine Originalaufgaben des TMSnat.

Frage 1 Sinkt der Sauerstoffgehalt im Blut, geben Zellen der Niere das Hormon Erythropoetin (EPO) ab. EPO regt die Bildung roter Blutkörperchen an. Rote Blutkörperchen transportieren den Sauerstoff im Blut. Bei einer Patientin ist das Nierengewebe, das EPO bildet, weitgehend zerstört. Welche Folge ist diesen Informationen zufolge zu erwarten?

Wähle eine Antwort.

Lösung und Erklärung

Richtig ist:C) Es werden weniger rote Blutkörperchen gebildet.

  • A) Falsch. Ohne EPO fehlt der Anreiz zur Bildung; es werden eher weniger gebildet.
  • B) Falsch. Mit weniger roten Blutkörperchen kann weniger Sauerstoff transportiert werden.
  • C) Richtig. Fällt die EPO-Bildung aus, fehlt der Reiz zur Bildung roter Blutkörperchen.
  • D) Falsch. Laut Text bilden Zellen der Niere EPO; von einem Ersatz ist nicht die Rede.
  • E) Falsch. Das zerstörte Gewebe kann EPO nicht mehr bilden.

EPO ist der Reiz für die Bildung roter Blutkörperchen. Fällt das bildende Nierengewebe aus, entsteht weniger EPO und damit weniger rote Blutkörperchen (OpenStax Anatomy and Physiology 2e, Abschnitt 18.2).

Quelle: 18.2 Production of the Formed Elements, Erythropoietin

Frage 2 Die Schilddrüse braucht Iod, um die Hormone T3 und T4 zu bilden. Diese Hormone hemmen die Abgabe von TSH aus der Hypophyse; TSH regt die Schilddrüse zum Wachstum und zur Hormonbildung an. Bei einer Patientin ist T4 im Blut erniedrigt, TSH erhöht, und die Schilddrüse ist vergrößert. Welche Ursache passt diesen Informationen zufolge zu allen drei Befunden?

Wähle eine Antwort.

Lösung und Erklärung

Richtig ist:C) Die Patientin nimmt zu wenig Iod auf.

  • A) Falsch. Dann wäre TSH erniedrigt, nicht erhöht.
  • B) Falsch. Dann wäre T4 erhöht und TSH gehemmt.
  • C) Richtig. Ohne Iod wenig T4, deshalb fehlt die Hemmung, TSH steigt und lässt die Drüse wachsen.
  • D) Falsch. Dann wäre T4 erhöht.
  • E) Falsch. Dann würde die Drüse nicht durch TSH vergrößert.

Wenig T4 heißt wenig Hemmung, also steigt TSH. Hohes TSH regt die Schilddrüse zum Wachstum an. Das passt zu einem Iodmangel, nicht zu einer Störung der Hypophyse (OpenStax Anatomy and Physiology 2e, Abschnitt 17.4).

Quelle: 17.4 The Thyroid Gland, Disorders (goiter)